Brisbane – Gawler Teil 3 – Wet Season

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Tag 3

Ich hatte mich schon beim Verlassen des Campingplatzes gewundert warum die Rezeption so früh am Morgen offen war. Ohne Strom im Handy konnte ich mir keinen Wecker stellen und wusste zu keinem Zeitpunkt wie spät es war. Ich verließ mich auf meine innere Uhr. Nun an der Kasse einer Tankstelle, wusste ich, was nicht stimmte. Während ich dachte, es sei etwa halb acht, war es bereits eine Stunde später. Ich schaltete noch mal mein Handy an, um die Uhrzeit zu prüfen. Seitdem ich wusste, dass das Aufladegerät nicht mehr funktionsfähig war, ging ich mit der restlichen Akkukapazität sparsam um. Nur für Notfälle wollte ich es anschalten. Die Uhr auf dem Handy zeigte meine geschätzte Zeit an. Natürlich! Ich hatte offensichtlich eine Zeitzone durchquert. Mittlerweile befand ich mich in New South Wales. Zwei Tage zuvor startete ich im Bundesstaat Queensland. Ich wusste, dass es in Queensland keine Sommerzeit gibt. Hier in NSW wurden zu dieser Jahreszeit die Uhren offensichtlich um eine Stunde vorgestellt. Dies würde auch alles erklären – meine innere Uhr, der selbe Sonnenstand wie am Vortag, die bereits besetzte Rezeption des Campingplatzes. Ich machte mir Sorgen, dass ich am Abend vor verschlossenen Campingplätzen stehen könnte. Also keine Zeit verlieren und Kilometer machen!

Am Anfang meiner Tagesetappe kämpfte ich noch ein bisschen mit meinem Magen und hatte leichte Kopfschmerzen. Ich war an diesem Tag schon zweimal auf der Toilette. War ich etwa dehydriert? Oder war mein Trinkwasser verunreinigt? Ich füllte in den letzten zwei Tagen tatsächlich mein Wasser immer auf den Raststätten auf. Man erklärte mir, dass es örtliches Trinkwasser sei, wenn auch nicht speziell gereinigt. Nach einer Stunde schien mein Magen wieder in Ordnung zu sein und ich ließ die Sache auf sich beruhen.

Gegen 11 Uhr erreichte ich ohne Probleme West Wyalong. Ich verließ den Newell Highway nach insgesamt 760 km und bog auf den Mid Western Highway ab. Immer tiefer fuhr ich in das Outback.

Australien Outback

Australien Outback

Nun Richtung Westen fahrend stand die Sonne hinter mir. Meine Sonnenbrille drückte schon seit einigen Kilometern – es war Zeit sie abzusetzen. Während der Fahrt öffnete ich das Helmvisier, nahm die Brille von meinem Gesicht und steckte sie in meine am Gürtel befestigte Brillentasche. Es war gar nicht so einfach mit einer Hand das Motorrad zu lenken und mit der anderen Hand die Tasche zu finden. Ich wendete zur Hilfe meinen Blick auf die Tasche. Nach dem die Brille abgelegt war richtete ich meinem Blick wieder auf die Straße. Irgendetwas stimmte nun nicht mehr. Ich hatte das Gefühl, dass ich etwas tiefer saß. Die Straße war irgendwie ein bisschen näher. Stimmte was mit der Federung nicht? Ich stand auf und ließ mich mit voller Wucht auf den Sitz fallen. Nein, die Federn arbeiteten. Meine Sitzposition hatte sich auch nicht verändert. Es war als ob ich „eine Etage“ tiefer saß. Verloren meine Reifen eventuell Luft? Vielleicht bin ich beim Ablegen der Brille durch Irgendetwas gefahren und meine Reifen waren zerstochen. Ich wurde langsamer und hielt schließlich am Straßenrand an. Ein Auto überholte mich und hielt, keine 10 Meter entfernt, ebenfalls. Die Fahrerin kam auf mich zu und fragte ob ich Probleme mit dem Motorrad hätte. Ich sagte ihr, dass ich das Gefühl hätte Luft aus den Reifen zu verlieren. Sie empfahl mir eindringlich die 10 Kilometer zurück in das letzte Dorf zu Fahren, dort sei ein Mechaniker. Es sei besser das Motorrad in dieser Gegend zu überprüfen, die nächste Werkstatt komme erst in über 100 Kilometern. Ich folgte dem Rat und drehte um. Auf der Rückfahrt hätte nun eigentlich die ganze Luft aus den Reifen entwichen sein müssen. Das war aber nicht der Fall. Ich rekonstruierte die Situation noch einmal. Was war, seit dem ich die Brille abgesetzt hatte, anders? Ich hatte die Brille abgesetzt! Ich holte sie sofort wieder aus meiner Tasche und setzte sie auf. Und tatsächlich, die Perspektive stimmte wieder. Und dann wurde mir alles klar. Unter dem Helm konnte ich die Brille nicht richtig aufsetzen. Die Bügel musste ich etwas über meine Ohren schieben. Dadurch saß die Brille etwas schräg auf meiner Nase, so dass die Wölbung der Gläser die Perspektive verzerrte. Da ich dieses Motorrad noch nie anders gefahren bin, hatte ich mich wohl an diese Verzerrung gewöhnt. Die Sicht ohne Brille war also der Normalzustand. Im Dorf angekommen kontrollierte ich trotzdem den Luftdruck und fuhr dann beruhigt weiter.

Ich beobachte den Himmel. Jule hatte mich vor einem Unwetter gewarnt. Und auch an der Rezeption des letzten Campingplatzes warnte man mich vor Regen. Und tatsächlich konnte ich zu meiner Rechten tief dunkle Wolken ausmachen. Der Wetterbericht lag also nicht komplett falsch. Durch das flache Land konnte ich Kilometer weit entfernt den Regen ausmachen. Der Wind kam von Norden. Es würde knapp werden, aber vielleicht könnte ich schnell genug Richtung Westen kommen und so am Regengebiet vorbei fahren. Doch die Wolken kamen immer näher. Die Straße wechselte mittlerweile von einer geraden in eine kurvige Strecke. Die ersten, kleinen Regenwolken kreuzten meinen Weg. Einige Tropfen erreichten mich, verdunsteten aber sofort wieder.

Im Örtchen Hay hielt ich für einen Tankstopp. Die Straßen waren nass. „Hier muss es vor kurzem auch geregnet haben“, dachte ich. Das Unwetter würde aber erst kommen, so der Tankwart. Gemeinsam schauten wir auf das aktuelle Regenradar. Ein ungefähr 400 km breites Regenband zog von Norden nach Süden, und kreuzte damit meine Route. Die roten und gelben Bereiche zeigten kräftigen Regen an. „Where you wanna go today?“ fragte mich der Tankwart. „Mildura“ antwortete ich. „Oh, you gonna get wet“, sagte er und lächelte. Ich bezweifelte es, angesichts der doch ein wenig entmutigenden Bilder auf seinem Computerbildschirm, nicht.

Seine Frau bot mir an mein Handy aufzuladen. Ich nutze die Zeit, um mich und mein Gepäck so weit es ging Wasserdicht zu verpacken. Das Topcase und die Gepäckrolle brauchten keinen extra Regenschutz. Den Rucksack, mein drittes Gepäckstück, steckte ich in zwei große Mülltüten. Ich selbst zog meine Regenjacke über. Hose, Schuhe und Handschuhe mussten auf eine wasserdichte Schutzschicht verzichten. Nachdem ich alles so gut es ging verpackt hatte und dankend mein Handy aus der Tankstelle holte, verließ ich Hay auf dem Sturt Highway.

Kaum hatte ich die Ortsgrenze erreicht, baute sich eine graue Wand vor mir auf. Der Himmel war komplett mit Wolken verhangen. Es wurde immer windiger. Sturmböen warfen mich hin und her. Nur mühsam konnte ich die Spur halten. Ich konnte genau sehen in welcher Entfernung es regnete. Es war als ob ich durch einen riesigen Wasserfall fahren müsste. Dann fuhr ich in den Regen. Wie Nadelstiche fühlten sich die Regentropfen auf meinen Armen an. In wenigen Sekunden war meine Hose komplett durchnässt. Meine Schuhe wurden von den Wassermassen regelrecht geflutet. Der Regen drang in meinen Helm ein und tropfte permanent in mein linkes Auge und lief runter zu meinem Mund. Die Sichtweite reduzierte sich auf wenige Meter. Entgegenkommende Fahrzeuge konnte ich erst kurz vor mir erkennen. Ich musste meine Geschwindigkeit deutlich verringern. Immer wieder schaute ich in meine Rückspiegel. Ich befürchtete, dass die auf mich auffahrenden Fahrzeuge, das Rücklicht meines Motorrades nicht rechtzeitig sehen würden. Selbst die Vollbremsung eines Trucks könnte dann einen Aufprall nicht mehr verhindern. Aber ich fuhr weiter.

Die Stärke des Regens hielt für ungefähr 5 Minuten an. Der Wind ließ nach und meine Sicht verbesserte sich. Allerdings lief das Wasser weiterhin ununterbrochen in meinen Helm und meine Schuhe. Nach einigen Kilometern hatte ich mich auf die Situation eingestellt. Ich gewöhnte mich an das Fahren im Regen und akzeptierte, dass ich das linke Auge etwas schließen musste. Dass Wasser auf meinen Lippen pustete ich immer wieder weg.  Doch nach einer Weile wurde mir immer kälter und ich zitterte. Dass Wasser entzog mir kontinuierlich meine Körperwärme. Ich beobachtete, wie meine Beine unkontrolliert gegen den Benzintank schlugen. Um mich herum war die Luft aber zu meinem Erstaunen angenehm warm. Ich erinnerte mich an meine letzte Motorradtour im Frühjahr 2010 nach Kroatien. Wir machten auf der Rückreise bei Regen alle 80 Kilometer eine Pause. Bei etwa vier Grad Celsius fuhren wir auf der A9 von Bayern nach Sachsen. Wie Michelinmännchen hatten wir uns eingepackt, um der Kälte und dem Dauerregen stand zu halten. Jedes Mal, wenn ich mich auf das Motorrad setzte um wieder los zu fahren, freute ich mich schon auf die nächste Pause und den wärmenden Kakao.

Nun, ganz so schlimm erging es mir dieses Mal nicht. „Komm, denk an was schönes!“, sprach ich zu mir. Ich könnte die nächste Nacht in einer „Cabin“ übernachten. Diese Wohncontainer sind in jedem Caravanpark für $50-$60 zu mieten. Sie beinhalten meistens ein Doppelbett, eine Küchenzeile, TV- Kühlschrank, Herd, meist zwei weitere Doppelstockbetten und manchmal ein eigenes Bad. Ich bräuchte nicht im Regen das Zelt aufzubauen und hätte genug Platz um meine Sachen zu trocknen. Ich stellte mir vor, wie schön es wäre im Warmen und Trocknen zu essen. Aber es half alles nichts, mir wurde immer kälter.  Gute 100 km bin ich im Regen gefahren und so entschied ich an der nächsten Raststätte eine Pause zu machen. Nach 20 km war es soweit. Ich fuhr vom Highway ab und folgte einer kleinen asphaltierten Straße bis zu ihrem Ende. Von hier aus konnte ich einen überdachten Tisch mit Bänken ausmachen. Da ich dringend aus meiner Kleidung raus wollte um mich anschließend erstmal abzutrocknen, es aber noch immer regnete, beschloss ich, auch das Motorrad neben den Tisch unter das Dach zu stellen. So würde weiterhin mein Gepäck trocken bleiben.

Ich hatte mir dieses Unterfangen einfacher vorgestellt. Die zehn Meter von der Straße zum Tisch standen zwar nur leicht unter Wasser, der lose Untergrund aber hatte sich durch den Regen in ein Schlammloch verwandelt. Er sah so fest aus, aber als ich mit dem Hinterrad auf dem Sand war, rutschte es weg und ich konnte nur mit Mühe das Motorrad aufrecht halten. Das Profil der Reifen war komplett mit Schlamm zugesetzt, so dass sich das Motorrad nur mit ständig durchdrehenden Reifen fortbewegen ließ. Jedes ungewollte Wegrutschen zerstörte mir meine gewählte Linie. Nach dem dritten missglückten Anlauf, das Motorrad unter das Dach zu bekommen, stieg ich ab, um es bei laufendem Motor „spazieren“ zu fahren. So blieb das Vorderrad auf der gewählten Linie und ich erreichte entkräftet und nass den trockenen Unterstand.

In Badehose und Fleecejacke eingepackt, stand ich auf dem Tisch und beobachtete drei Emus. Ich gönnte mir eine längere Pause. Um mich herum flossen kleine Bäche den Sand entlang. Es regnete ununterbrochen. Ab und zu frischte der Wind auf und der Regen wurde stärker. Dann hörte ich nur noch das Trommeln der Tropfen auf dem Dach. Wenn der Regen wieder abschwächte, konnte ich auf dem Highway vorbeifahrende Fahrzeuge hören. Ich fühlte wie meine Kräfte zurückkamen. Das Zittern meiner Beine wurde immer schwächer. Nur noch ab und zu durchzogen kalte Schauer meinen Körper.

Nach einer Stunde beschloss ich die letzten, knapp 130 km nach Mildura zu fahren. Ich zog ein trockenes T-Shirt an, darüber eine Softshell-Jacke. Zum Wärmen folgte dann meine Fleecejacke. Meine Motorradjacke und die abschließende Regenjacke komplettierten die Bekleidung meines Oberkörpers. Meine Beine schützte ich mit einer Badehose und der klitschnassen Motorrad-Jeans. Nachdem ich in die nassen Schuhe und Handschuhe geschlüpft und den ebenfalls komplett durchnässten Helm aufgesetzt hatte, kämpfte ich mich nun schon etwas besser durch den Matsch um den Highway zu erreichen.

Sonnenuntergang Gol Gol am Murray River

Sonnenuntergang Gol Gol am Murray River

Das Wetter wurde nicht besser. Es regnete für ein paar Minuten kräftiger, um sich dann wieder auf ein normales Niveau einzupendeln. Um die Zeit zu verkürzen, rechnete ich mir immer wieder vor, wie lange ich noch bei der aktuellen Geschwindigkeit von um die 100 km/h fahren müsste, um mein Tagesziel zu erreichen.  „Nur noch 40 Minuten – nur noch 30 Minuten, bald hast du es geschafft“, ermunterte ich mich immer wieder selbst.

Ich erreichte den Ort „Gol Gol“. Laut der Straßenbeschilderung war Mildura 10 Kilometer entfernt. Ein großes Plakat machte mich auf einen Caravan Park in 500 Metern Entfernung aufmerksam. Ich folgte der Einladung und entschied, es für heute gut sein zulassen. Man kann sich solche Entscheidungen ja auch etwas schön reden. So musste ich nicht unnötig Energie und Zeit für die Suche nach einem Campingplatz in Mildura, einer etwas größeren Stadt vergeuden. Wahrscheinlich wären dort die Preise sowieso noch ein bisschen höher als hier im Kaff gewesen.

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Ich bereute die Entscheidung nicht. Meine Kabine war keine 20 Meter vom Fluss „Murray River“ entfernt. Nach 30 Minuten unter der warmen Dusche und einer anschließenden warmen Mahlzeit, ging ich zum Fluss und beobachtete den feuerroten Sonnenuntergang. Ich hatte Glück gehabt noch eine offene Rezeption anzutreffen. Ich hatte gegen 18 Uhr eingecheckt. Eine Stunde später hätte ich vor einer verschlossenen Tür gestanden. Dann hätte ich noch nicht mal das Gemeinschaftsbad nutzen können, da diese hier, wie auch auf vielen anderen Campingplätzen nur mit einem Schlüssel zu betreten waren. Vermutlich eine Reaktion auf die vielen „Backpacker“, die in ihren Autos außerhalb der Campinglätze übernachteten, sich aber deren Toiletten und Duschen zu Nutze machten.

 

Tag 4

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In der Nacht sank die Temperatur merklich ab. Trotz der Kabine fror ich in meinem Schlafsack. Gegen 7 Uhr stand ich auf und stellte dabei fest, dass die Klimaanlage auch eine Heizfunktion hatte. Ich konnte mich nur kurz Ärgern, musste ich noch meine feuchten Kleidungsstücke trocknen. Am Vorabend hatte ich zwar meine nassen Klamotten aufgehängt, durch die Kälte waren sie aber am Morgen noch nicht trocken. Ich schaltete die Heizung und die Elektroheizplatten des Backofens an. Darüber hängte ich meine Handschuhe und die Polster meines Helms. Innerhalb von zwei Stunden waren alle dringend benötigten Kleidungsstücke trocken. Den Rest packte ich zum trocknen als letztes auf mein Motorrad.

Die Strecke führte mich eine Weile direkt am Murray River entlang. Der zweitgrößte Fluss Australiens bildet einen Teil der Grenze zwischen den Bundesstaaten New South Wales und Victoria. Über mir war der Himmel durch eine hellgraue, dünne Wolkendecke bedeckt. Zwar regnete es nicht mehr, dafür hatte sich aber die Temperatur gegenüber den Vortagen deutlich abgesenkt. Ich schätzte sie auf etwa 15 Grad Celsius. Am Horizont konnte ich die Grenze zwischen dem bewölkten und dem klaren Himmel erkennen. Nach zwei Stunden fing ich die ersten Sonnenstrahlen des Tages ein. Um mich aufzuwärmen hielt ich für eine Pause an. Mittlerweile war ich im Bundesstaat Victoria, der westlich von Mildura an den Bundesstaat New South Wales grenzt. Ich aß etwas und hielt auf einer Bank ein kleines Mittagsschläfchen. 200 Kilometer waren noch zu bewältigen. Ich konnte mir also Zeit lassen.

Wieder auf dem Highway wurde ich einige Kilometer weiter an einer Quarantänestation gestoppt. An der wie an einer Staatsgrenze aufgebauten Kontrollstation, muss jedes Fahrzeug anhalten. Der Bundesstaat South Australien schützt sich so vor der Einfuhr von Fruchtfliegen. Schon einige Kilometer vorher wird man durch große Informationsschilder aufgefordert Obst, Gemüse und Fleisch nicht weiter mit zu transportieren. Hohe Strafen von mehreren Tausend Dollar dienen als Abschreckung.  Ein älterer dünner Mann in einem weißen Hemd und kurzer Jeans schlenderte aus seinem Grenzhäuschen heraus als er mich kommen sah. Ich stoppte. Ob ich Obst, Gemüse oder Fleisch bei mir habe wurde ich gefragt. Ich antwortete kurz und knapp dass ich nur ein paar Kekse und eine Flasche Wasser mit mir führte. Mittlerweile waren meine anderen Lebensmittel wie geplant aufgebraucht. „Drive safely“, sprach er und klopfte mir auf die Schulter. Den Kopf zum Schulterblick nach rechts gewendet, drehte ich am Gasgriff und fuhr weiter.

Mein Weg führte mich nun immer öfter durch Dörfer und kleine Städte. Manchmal kam es mir so vor, als ob ich den Ozean riechen konnte. Mir begegneten nun auch immer mehr Motorradfahrer. Bisher hatte ich seit meinem Start in Brisbane ganze zwei Motorradfahrer getroffen. Beide waren wie ich alleine unterwegs. Ihre ebenfalls bepackten Motorräder ließen auf eine größere Reise schließen. Leider kam ich mit beiden nicht ins Gespräch, da wir uns auf dem Highway bei freier Fahrt begegneten. Inzwischen kreuzten vor allem Sportmotorräder meinen Weg. Ein Grüßen, wie es in Europa zwischen Motorradfahrern üblich ist, kam nicht zu Stande. Vielleicht lag es an der Tatsache, dass man im Linksverkehr die Gasgriffhand zum Straßeninneren hat und man daher die „freie“ linke Hand etwas umständlich nach rechts bewegen muss. Das sieht natürlich gerade bei Sportmotorrädern nicht so cool aus wie im Rechtsverkehr, bei dem man einfach nur kurz die offene Hand vom Lenker schiebt, um meist mit zwei Fingern so signalisieren, dass alles okay ist.

Nach zwei gescheiterten Versuchen die richtige Abfahrt vom Highway zu nehmen, ereichte ich das Haus von Sandra und ihrer Familie ohne Probleme. Die ganze Familie stand zufällig vor ihrem Haus. Das Ziel meiner ersten Motorradtour in Australien hatte ich erreicht. Es war in vielerlei Hinsicht eine Premiere. Die erste größere Tour allein und die erste Tour ohne meine CBR 600 F, mit der ich in den letzten 10 Jahren über 100.000 Kilometer in Europa gefahren bin. Die Reise auf einer Enduro war einfacher als ich zunächst angenommen hatte. Schnell hatte ich die zum Anfang doch sehr lästigen Vibrationen des Einzylinders lieb gewonnen. Auch wenn sich unterwegs mehrmals Schrauben gelöst hatten. Darunter war eine Schelle des Auspuffs noch das unproblematischste. Einen Tag später stellte ich bei Wartungsarbeiten fest, dass sich unter anderem die Schrauben des Heckrahmens gelockert hatten.

Ich stieg von meinem Motorrad ab, zog die Handschuhe aus und nahm den Helm ab. Ich drückte Sandra und wünschte ihr Alles Gute zum Geburtstag.

 

 

 

Gesamte Strecke:

03. 02. 2011: Brisbane/ QLD– Goondiwindi/ QLD:        350 km          (Gesamt: 350 km)

04. 02. 2011: Goondiwindi/ QLD– Parkes/ NSW:                      632 km          (Gesamt: 982 km)

05. 02. 2011: Parkes/ NSW – Gol Gol/ NSW:                  677 km          (Gesamt: 1659 km)

06. 02. 2011: Gol Gol/ NSW – Gawler/ S.A.:                     355 km          (Gesamt: 2004 km)

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Ausrüstung:

Gepäckstücke:

  • Gepäckrolle (80 Liter Volumen), Topcase, Laptop Rucksack

Kleidung:

Ein Paar perforierte Motorradhandschuhe, ein Paar Wanderschuhe, eine Protektoren-Jeans, einen Dualsport Motorradhelm, eine Perforierte Protektorenjacke, eine Softshell-Jacke, eine Fleecejacke, eine Regenjacke mit Kapuze, eine Treckinghose, ein Paar Sneakers, ein Paar Flip-Flops, 3 Paar Socken, 5 Unterhosen, 3 T-Shirts, ein langärmliges Treckinghemd, ein kurzärmliges Hemd, eine ¾ Hose, eine Badehose, ein Badehemd, ein Gürtel

Lebensmittel beim Start in Brisbane:

Zwei Dosen Dauerwurst, 3 Liter Wasser, 2 Packungen Chinanudeln, 1 Tüte Fertiggericht (Käse-Makkaroni), eine Dose Nudelsuppe, 6 Scheiben Brot, zwei Tüten Puddingpulver, 2 Früchte-Riegel

Weitere Gegenstände (jeweils einmal):

Schweizer Offiziersmesser, Klappmesser, Feuerzeug, Feuerstein, Stirnlampe (LED), Netbook mit Netzteil, Gabel, Teelöffel, Emaille Tasse, Plastikteller, digitale Kompaktkamera mit Netzteil, Handy inkl. MP3-Player mit Aufladegerät, australischer Straßenatlas, Zahnbürste, Zahnpasta, 50 ml Duschgel, Seife, Rasierapparat, 100 ml Rasierschaum, eine Packung Taschentücher, 10 feuchte Reinigungstücher, Microfaser-Badehandtuch, Motorrad-Reparaturwerkzeug, 1 l Öl, 200 ml WD-40, Dokumente, Notizbuch, Kugelschreiber

 

One Response to “Brisbane – Gawler Teil 3 – Wet Season”

  1. Simon Heuer sagt:

    Unglaublich spannender Schreibstil.
    Ich bin im Moment in Far north Queensland und erlebe
    die Wetseason gerade am eigenen Leib. Besser hätte ich
    es nicht beschreiben können.

    Keep on exploring

    Simon

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